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Ethisches Verhalten 3:
Ethische Ökonomie
Inhalt
Vorweg - Der objektive Überblick ist schwer zu erlangen (EÖ 3.1) - Wirtschaftsethik und -durchblick verhindern die Gier (EÖ 3.2) - Die ethische Ökonomie braucht einen gesetzlichen Rahmen (EÖ 3.3) - Vermögensabgabe einführen! Forderung der Unethik? (EÖ 3.4) - Praktizierte ethische Ökonomie (EÖ 3.5) - Nicht der Markt ist schlecht, sondern Gier (EÖ 3.6) - Bankengier in "Zockerbuden"? (EÖ 3.7) - Ethikbanken im Aufwind (EÖ 3.8)
Vorweg: Laufend gefordertes Wirtschaftswachstum nahm auf Umwelt und Ethik bislang wenig Rücksicht. Die Wirtschaftkrise erfordert eine www.nachhaltige-ökonomie.de . -Die Bäume und Hochhäuser wachsen eben nicht in den Himmel". - Fehlinvestitionen in Immobilien ohne nachhaltige Finanzierung waren mit ein Auslöser der Finanzkrise. Immobilien mit Kosten statt mit Wert, wie die heute leer stehenden Immobilien in vielen Ländern, nicht nur in den USA. Ethik und Durchblick sind bei einer nachhaltigen und ethischen Ökonomie gefragt! Dies gilt nicht nur für die Wirtschaft, sondern für alle Bereiche unseres Zusammenlebens.
Finanzexperten haben uns gesagt: Ihr versteht das nicht, man kann die Märkte nicht regulieren. Aber es gibt keine Freiheit ohne Grenzen.
(Dr. Wolfgang Schäuble im Interview DIE ZEIT 20. 5. 09)
Der objektive Überblick ist schwer zu erlangen (EÖ 3.1)
Die Zeitung "Rheinische Post" stellte in der Buchbesprechung (V)erbaute Gesundheit des Autoren Hans-J. Kiene vor vielen Jahren zwei "Kernsätze" besonders heraus - und zwar, dass „nicht die Technik als Umsetzung von Naturgesetzen menschenfeindlich ist, sondern deren Auswertung allein zur Wunscherfüllung der Anwender“ und „dass jede Ausbildung zusammen mit der anschließenden Berufsausübung immer eine Verengung des Horizontes mit sich bringt. Gewisse Beurteilungskriterien werden besonders kultiviert. Und dass dann andere, vielleicht ebenso wichtige, häufig vernachlässigt werden, ist fast zwangsläufig.“ (Siehe auch www.kiene-info.de .)
Dies trifft auch besonders für die Ursachen der immer wieder vorkommenden Finanzkrisen zu. Bei der jetzigen Finanzkrise gibt selbst der US Aktien- Guru Warren Buffet zu, dass er sich 2008 nicht gerade "mit Ruhm bekleckert" habe.
Besonders aus den USA und aus China - aber auch aus Europa und Deutschland - kamen immer neue Ideen der Gewinnmaximierung. Denken wir nur an die HRE Hypothekenbank und die vielen deutschen Landesbanken und auch Sparkassen, die sämtlich erstaunt waren, dass ohne Durch- und Überblick und ohne Ethik im Geschäftsleben auf die Dauer keine Geschäfte möglich sind.
Zuletzt blickt(e) keiner mehr durch und jeder sucht(e) die Finanzkrisenschuld bei anderen. Die einen fordern nun eine verfassungswidrige Zwangsanleihe bei Reichen zur Unterstützung maroder Firmen, bei denen sie, oder ihre Mitstreiter, vielleicht selbst als Mitschuldige in den Aufsichtsräten sitzen oder saßen. Die anderen fordern gleich den Zwang von rechts oder links, wie er schon einmal im 3. Reich oder im "Neuen Deutschland" des Ostens ins Verderben führte. Den Zwang, der im 3. Reich über 56 Millionen Tote forderte und bei Mao in China rund 40, bei Stalin allein in Kroatien über 8 Millionen, die er von der KGB umstellen und verhungern ließ. Alles, um den "großen Sprung" in eine "schöne, neue Welt" zu machen, in der die Menschen dann wegen sozialistischer Fehlplanungen, vor allem die Arbeiter und nicht die Bonzen, in Millionen verhungerten.
Es gibt nur einen Ausweg, es gemeinsam zu schaffen: Die Zusammenarbeit in nachhaltiger und ethischer Ökonomie. Die nachfogenden Berichte sollen einen kleinen Beitrag dazu - und zum Durchblick - liefern. Allerdings sollen auch Ethik-Negativbeispiele nicht zu kurz kommen, weil "Gier" allgegenwärtig ist. Während DER SPIEGEL in Nr. 3/2010 ganzseitige Reklame zu "DER GROSSE ZWEITEILER Gier" im 1. druckte, zeigten zwei Berichte in der gleichen Ausgabe andere Varianten der Gier im Zusammenspiel zwischen Politik und Wirtschaft auf.
Viele spielen dabei mit, und die schlechten Spiele der Landesbanken zur gleichen Zeit, der Kommunen und Immobilienfonds zeigen auch: Der Ethik vermittelnde Durchblick ist nicht so einfach zu erlangen. Nicht nur die Gier nach Geld, sondern vor allem die Gier nach Erfolg, lässt sonst kluge Menschen durch 1.300 % angeblichen Gewinn, wie im Film GIER, in simple Dummheit abgleiten. Ähnliches erleben wir, wenn plötzlich alle "Heil" rufen - oder wenn sonst Kluge nach der Schachtel "Rauchen ist tödlich" greifen (siehe auch www.naturheilkunde-heilt.de).
Zusätzlich soll hier auf Professor Peter Ulrichs Standartwerk "Integrative Wirtschaftsethik" (www.buchhandel.de ) verwiesen werden. Ulrich gründete das Institut für Wirtschaftsethik in St. Gallen. Zum überlebensnotwendigen Umbau unserer Volkswirtschaft in eine "nachhaltige Ökonomie", ist ehtisches Verhalten eine wichtige Grundlage. Siehe hierzu auch www.nachhaltige-ökonomie.de.
Wirtschaftsethik und -durchblick verhindern die Gier (EÖ 3.2)
Der Film GIER vermittelte am 20. und 21. 1. 10 im Ersten einen Einblick in menschliches Verhalten. Die Presse nahm sich besonders in Hamburg des Themas an, weil das Vorbild Harksen dort seiner Film-Vorbildfunktion nachging und sich dort auch zuerst selbst über den Anlagen-Verkaufserfolg durch völlig überhöhte Renditeversprechen, genau wie der frühere US-Börsenchef Bernard Madoff (siehe www.finanzkrisendaten.de ) wunderte.
Der Hamburger Erfolgsanwalt Gerhard Strate war Strafverteidiger von Jürgen Harksen. Er äußerte sich gegenüber dem Hamburger Abendblatt (in HA 19. 1. 10) zu dem Film: "...Er deckt sich zu etwa 85 % mit der Wirklichkeit. Dieter Wedel hat nicht im Ansatz den Versuch einer Verfremdung gemacht. So war etwa einer der Drehorte am Kritenbarg in Poppenbüttel. Dort wo Jürgen Harksen damals logierte....Gut dargestellt wurde auch der Zwiespalt bei Harksens 'Kunden' (so nannte er seine Anleger). Das aufkommende Misstrauen, wenn das versprochene Geld nicht ausgezahlt wurde, und die doch wieder alles verdeckende Hoffnung auf den großen Gewinn." Strate erzählte, dass Harksen, anders als dargestellt, nicht der zynische Einzelgänger war. "Er strahlte bei allem Kalkül auch menschliche Wärme aus. ...Wäre Harksen so kalt gewesen, wie Tukur ihn spielt, hätte er keine zwei Jahre durchgehalten.... Hinterleute müssen ihm bei der Fälschung von Tausenden von Dokumenten geholfen haben... Harkens Exfrau. Wedel stellt sie als blondes Flittchen dar....Seine Frau sorgte mit ihren drei Kindern, die im Film überhaupt nicht vorkommen, für das Bild einer heil erscheinenden Familie. Ihre Aura ließ keinerlei Zweifel an Harksens Legende aufkommen."
Auch Harksen selbst bestätigte und ergänzte Strates Aussagen unter anderem mit: "...Vieles hat es wirklich gegeben...die Abreise nach Südafrika, die Geschichte mit den norwegischen Ölfunden, den Faktor 13, mit dem ich Kunden einen Gewinn von 1300 % versprochen habe..." Vieles, so sagte Harksen, war stark übertrieben, vor allem die Partys, die weder auf Mallorca, noch in Südafrika und bei ihm kaum gefeiert wurden. Ebenso wurde er auch nicht bedroht und heulende Kunden haben auch nicht vor ihm gestanden. "Der Film GIER sollte ein Wirtschaftskrimi sein, ist aber eher eine Satire, wo alle verarscht wurden, insbesondere meine Kunden...Und etliche Dinge stimmten ja auch. Ich habe mich wiedererkannt, es kam vieles wieder hoch. Und ich habe mich für meine Vergangenheit geschämt" (in HA 20. 1. 10).
DIE ZEIT meinte in ihrer Besprechung des Films (14. 1. 10) "als wäre es die deutsche Nacherzählung der Geschichte Bernard Madoffs, jenes ehrenwerten New Yorker Menschenfreundes, dem alles was an der amerikanischen Ostküste Rang, Namen und Geld hatte, seine Reichtümer aufdrängte und der fabelhafte Gewinne versprach, die er allerdings nicht erwirtschaftete, sondern - nach dem Kettenprinzip - aus dem Geld immer neuer Investoren schöpfte."
Der Schlussabsatz des Strate-Berichts zum Film GIER geht auf diese Gier ein und zeugt sicherlich auch von mangelnder Wirtschaftsethik der Geschädigten: "Auch war das Geständnis von Harksen - anders als im Film - kein taktisches. Harksen kooperierte mit dem Gericht und wurde dennoch zu sechs Jahren und neun Monaten verurteilt. Ich bin immer noch, wie bei meinem Plädoyer, der Meinung, dass, wer sich eine Rendite von 1300 Prozent verspricht, wissen muss, dass das Geschäft risikoreich ist. So jemand kann nicht nur Opfer sein."
Weil hohe Renditemöglichkeiten ein wichtiger Antrieb auch der sozialen Marktwirtschaft sind, wäre alles zunächst korrekt. Trotzdem müsste jeder Anleger genau wissen wollen, woher eine besonders hohe Rendite kommt. Arbeiten dafür Menschen im KZ, wie früher in Deutschland, in Russland im Archipel Gulag oder in China in vielleicht ähnlichen Einrichtungen, oder bei der Drogenmaffia? Ob Hypotheken oder Öl, immer sind Menschen dabei, und immer muss die Frage beantwortet werden, was geschieht mit meiner Geldanlage? Dies würde die Schneeballsystem-Geldanbieter von ihrer Gier abhalten, die sie später immer im Gefängnis landen lässt - und die Anleger ebenfalls.
Die Gierig-Anleger werden fast immer wieder mit dem Geldverlust bestraft. Allerdings nicht immer: Bei Banken waren die Boni dann schon ausgeschüttet, und die Verluste treten später auf. Für die springt mindesten bei den Staatsbanken der Steuerzahler ein. Bei den Banken und Investoren fehlte oft der Über- und Durchblick: Lehman-Brothers brachten hohe Rendite oder Immobilien. In den USA, in Spanien, ja selbst in Deutschland stehen die Immobilien dann leer - als Kosten statt Rendite. In Spanien sind es Ferien- und in Deutschland Bürohäuser. Wirtschaftsethik und Durchblick könnten die Gier verhindern. Sie sind auch eine Hauptgrundlage einer nachhaltigen Volkswirtschaft. Siehe dazu auch www.nachhaltige-volkswirtschaft.de - dort werden aber auch viele Banken genannt, die diese Gier ohne Durchblick nicht hatten, die schon früh Lehman und andere durchschauten und dort nicht investierten.
Die ethische Ökonomie braucht einen gesetzlichen Rahmen (EÖ 3.3)
Der Wirtschaftsethiker Prof. Dr. Bernhard Edmunds hält Vorlesungen an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen, der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Goethe-Universtät und der School of Finance and Management, sämtlich in Frankfurt/Main. Er beschäftigt sich seit Mitte der 90er mit der Ethik der Finanzmärkte. Damals gab es die 2te Mexikokrise und immer wieder Finanzkrisen. "Aber eine Krise solchen Ausmaßes hätte ich nicht erwartet", sagte er im Gespräch mit Kirsten Ludowig vom Tagesspiegel (dort am 26. 4. 09). In dem Gespräch erklärte er sodann, warum schon Nachwuchsmanager lernen müssen, ihr Handeln zu hinterfragen.
Zum Selbstverständnis der Manager meinte Edmunds u. a., sie sollten die Unternehmen nicht allein am aktuellen Börsenwert messen aber auch nicht als Agenturen zur Weltverbesserung sehen. "Sie müssen einen Mittelweg finden." Ihm ist wichtig: "Der Aspekt der Ethik darf nicht einfach an eine unveränderte ökonomische Lehre drangeklatscht werden, nur weil das gerade aktuell ist."
Auf Ludowigs Frage: "Was sollte verändert werden?"
"Unsere ökonomische Lehre ist stark weggekommen von einer Sozialwissenschaft, die Institutionen zu verstehen versucht, die politische Lenkung von Märkten betrachtet und nach den Vorstellungen von gutem und gerechtem Wirtschaften fragt. Stattdessen hat sich eine rein mathematisch, analythische Theorie - man kann fast sagen Naturwissenschaft - entwickelt, die in Modellen mit isolierten Märkten und monetär eigennützigen Individuen denkt. Also ein sehr eingeschränktes Bild von Ökonomie.
Natürlich treibt ein Familienunternehmen die Aussicht auf Gewinne aber längst nicht nur. Da geht es um Tradition, Verankerung in der Region, das Vertrauen der Mitarbeiter in eine langjährige Beschäftigung. So eine Wirtschaftskultur in die ökonomische Lehre zu integrieren, das wurde lange Zeit vernachlässigt."
Nach dem Börsenkrach 1929 wurden strenge Regeln zur Regulierung der früher normalen Bankgeschäfte eingeführt, "...die verhindern sollten, dass die Geschäftsbanken in guten Zeiten zu viele Kredite vergeben und damit zu viel Geld schöpfen. Das hat insgesamt gut funktioniert!"
"Und dann, was ist dann schief gelaufen?" (Die Frage von Ludowig.)
Emunds: "In den 80er Jahren ist neben diesem traditionellen Bankensektor, der Kredite vergibt und Einlagen entgegennimmt, eine neue kapitalmarktdominierte Finanzwirtschaft entstanden, die sich rund um die Wertpapiergeschäfte dreht und kaum reguliert wurde. Seitdem gab es immer wieder kleinere Krisen - und jetzt eben eine große, weltweite Krise." ...Und weiter: "Tatsächlich ist das erste und grundlegende Problem, dass die Regulierung unzureichend war.. Jede Krise geht aber auch mit Debatten über unmoralische Praktiken der Finanz- und Wirtschaftsakteure einher. Wir dürfen diese debatte aber nicht überziehen, weil unser Wirtschaftssystem, mit dem wir bis jetzt vergleichsweise gut gefahren sind, auf dem Geldvermehrungsinteresse aufbaut....
Neben dem Regelproblem ist aber die zweite Ursache der Krise eine unverantwortliche Sorglosigkeit, ein benahe grenzenloses Vertrauen der Banker in die eigenen Fähigkeiten des Risikomanagements und die Möglichkeiten der Finanzmärkte...So ist ein kollektiver, blinder Fleck entstanden. Es wurde ausgeblendet, dass die Party irgendwann vorbei sein muss."
Und dann kommt der vielleicht wichtigste Absatz: "Die einzige Chance, die wir meiner Meinung nach haben, ist die, die hochdynamische Maschine Kapitalismus mit ihren gewinnorientiert wirtschaftenden Unternehmen in ein eindeutiges und verlässliches Regelwerk, in einen gesetzlichen Rahmen einzupassen. Nur dann weichen die 'Produkte' dieser Maschine nicht zu weit von den gesellschaftlich gewünschten Ergebnissen ab. Eine wirkliche Alternative zum Kapitalismus, also ein völlig anderes System auf gleichem Effizienzniveau, sehe ich zurzeit nicht."
Hans Ruth ist emeritierter Professor für Systematische Theologie an der Universität Zürich und Sozialethiker. Er nennt sein im Versus Verlag Zürich erschienenes Buch: "Ordnung von unten: Die Demokratie neu erfinden."
Er setzt sich in seinem Buch für eine Marktwirtschaft im Einklang mit ethischen Werten ein. So sollten Konsumenten beim Einkauf auf ethische, soziale und ökologische Gesichtspunkte achten. Unternehmen sollten Ethik-Management-Systeme einführen, die Bürger sollten sich für einen obligatorischen Sozialdienst einsetzen. -
Weil eine ethische Marktwirtschaft oder Ökonomie auch die Beachtung und den Einschluss des Sozialen und heute mehr den je der Ökologie erfordert, ist sie damit auch eine "Nachhaltige Ökonomie". (Sie erfordert www.nachhaltiges-handeln.de und die www.nachhaltige-ökonomie.de ).
Vermögensabgabe einführen! - Forderung der Unethik? (EÖ 3.4)
Ende Mai (am 23.) 2009 wurde Bundespräsident Köhler für 5 Jahre im ersten Wahlgang wiedergewählt. Zur gleichen Zeit wurde vom Brandenburger Tor bis zur Siegessäule in Berlin das 60-jährige Bestehen des Grundgesetzes gefeiert (siehe auch www.deutschland-übersicht.de Leben in Deutschland und Gesetze + Moral).
Im Grundgesetz wird im Artikel 14 das Eigentums- und Erbrecht genannt und damit das Eigentum geschützt.
Trotzdem finden sich immer wieder Parteien und Personen, die eine Vermögensabgabe einführen wollen und damit auch noch Reklame machen.
Beispielsweise forderten 23 Personen in einer Anzeige unter www.appell-vermoegensabgebe.de Unterstützung für ihr Anliegen:
Sie schrieben auf ihrer Homepage u. a.: "Wir fordern eine Vermögensabgabe ab einem Gesamtvermögen von 500.000 Euro. Die Höhe soll in den Jahren 2009 und 2010 jeweils fünf Prozent betragen. Als Vermögen zählen das Geldvermögen, Geschäftsvermögen sowie Immobilien etc. abzüglich möglicher Schulden. Für Betriebsvermögen soll ein höherer Freibetrag von 3 Mio. Euro gelten."
Als Unterzeichnende werden vor allem Lehrer und Ärzte aus Hamburg und Berlin genannt. Das Ergebnis ihrer Forderung berechneten sie wahrscheinlich nicht. Ein Beispiel: 500.000 € x 3 % Zinsen / 12 = 1.250,- € pro Monat für denjenigen, der von den 500.000 als Rente lebt.
Hätte der "Reiche" stattdessen 3 Wohnungen in einem Hause zu vermieten, müsste er einen Teil seiner Einnahmen wahrscheinlich für Energieeinsparmaßnahmen aufwenden, die gerade heute besonders wichtig sind. Selbst die dreifache Summe, nämlich 1,5 Mio, bringen vielleicht verzinst gerade so viel Rente wie vielleicht die Altersversorgung der unterzeichnenden Lehrer.
Zu Beginn heißt es: "Die Idee dazu entstand im Rahmen einer Tagung der Bewegungsstiftung. Die Bewegungsstiftung ist eine Gemeinschaftsstiftung, die seit 2002 soziale Bewegungen, wie die Umwelt-, Friedens- und Menschenrechtsbewegung finanziell und durch Beratung fördert."
Sodann heißt es weiter: "Im Gegensatz zu einer Steuer kann und soll die Vermögensabgabe zweckgebunden erhoben werden. Die Einnahmen sollen in die Bereiche Ökologie, Bildung und Soziales investiert werden. Sie dürfen nicht zum Stopfen allgemeiner Haushaltslöcher gebraucht werden."
Weiter wird dann nach 2 Jahren der Vermögensabgabe die Wiedereinführung der bis 1997 erhobenen Vermögenssteuer gefordert, die ja gerade wegen der Verfassungswidrigkeit abgeschafft wurde.
Die Ideen dieser sozial und ökologisch denkenden Personen sind sicher gutartig und zunächst auch ethisch. Sie sind es in der Durchführung, wie die Berechnungen zeigten, wahrscheinlich nicht - sie sind sogar verfassungswidrig, weil sie das Eigentum einfach enteignen, Rentner mit Vermögen zur Altersversorgung und vielleicht noch mit niedrigen Renten in kurzer Zeit in den Bereich von ALG II bringen. Siehe dazu die Berechnung unter: www.finanzkrisen-lexikon.de: Vermögenssteuer.
Gefordert wird die Vermögens- oder Reichensteuer meistens von Personen mit vermeintlich guter Altersversorgung: Abgeordneten oder den Verdi-Chef Bsirske beispielsweise, der glaubt, dass eine Vermögensabgabe 28 Mrd. bringen würde (in HA 8./9. 8. 09). Vermögen bringt allerdings meistens auch Arbeit, wenn es nachhaltig investiert wird. Besteuerung gleich Arbeitsplatzabbau gilt fast immer. Die Bankenrettung durch den Steuerzahler wurde ja gerade wegen des plötzlich schwindenden Vermögens notwendig. Selbst die von Bsirske angesprochenen bis 2015 zu vererbenden 1,4 Billionen Vermögen können plötzlich nur noch die Hälfte wert sein (wenn keiner mehr das Geld zum Kauf der Villa am See hat). Und wenn einige deshalb (wie schon geschehen) ihren Firmensitz nach Österreich verlegen, wurde wieder das Gegenteil des Notwendigen gemacht. Sicher ist jedoch, dass der Staat allein zur Schuldentilgung mehr und nicht weniger Geld benötigt. Und sicher ist auch, dass sich viele, einschließlich Verdi-Bsirske, darüber gute Gedanken machen. Aber welche Ideen berücksichtigen alles?
Wir sollten gemeinsam versuchen, eine etische und www.nachhaltige-volkswirtschaft.de aufzubauen.
Praktizierte ethische Ökonomie (EÖ 3.5)
Stephen Green ist praktzierender Christ (Laienprediger) und erfolgreicher Banker. Er ist Verwaltungsratsvorsitzender und ehemaliger Vorstandsvorsitzender der größten Bank der westlichen Welt HSBC mit Sitz in London, die 8500 Geschäftsstellen in 86 Ländern hat und während der Finanzkrise keine Staatshilfe benötigte.
Bettina Schulz stellte in ihrem Porträt (in FAZ 8./9. 8. 09) Stepen Green als Beispiel von Erfolg durch Ethik vor. Green fordert als Konsequenz aus der Finanzkrise eine neue Geschäftsethik. In seinem Buch "Wahre Werte" kritisiert er, dass Wert immer mehr mit dem Preis verwechselt werde. "Es ist falsch, wenn der Marktpreis als alleiniger Maßstab von Wert angesehen wird und auf die Ordnungskraft des Marktes vertraut wird..." - Grenn warnt vor der Gefahr, in Schubladendenken zu verfallen (oft politiküblich) und Ethik nur im eigenen Umfeld einzuhalten, sie jedoch in der Anonymität heutiger Geschäftsbeziehungen zu vergessen.
Green meint weiter, dassesw keine Alternative zum Markt und Kapitalismus gebe und beründet dies: "Egal welche Wirtschaftsformen wir ausprobieren. Letztlich wird sich der Kapitalismus immer wieder durchsetzten, nämlich der Instinkt des Menschen zu handeln und werte zu bemessen. Aber wir müssen einen ethischen Kapitalismus entwickeln."
Und weiter: "Das wirft uns zu der Frage zurück, was ist eigentlich Fortschritt?" Emsige (Bank)mitarbeiter, die zum Büro eilen, für die ständige Erreichbarkeit und zum Arbeiten bis in die Nacht, um ihren Lebensstandart zu erhöhen, der zum Selbstzweck geworden ist.
Green, der in Oxford nebenher auch deutsche und französiche Literatur studierte, erinnert zur Beantwortung der Frage an Goethes Gedanken im Faust: "Den wahren Moment der Erfüllung erlebt Faust erst, als er nicht mehr das persönliche Glück, sondern das Gemeinwohl der Gesellschaft in den Fordergrund rückt..."
Letzteres, dies sollten wir nicht vergessen, bringt auch schon vielen Mitmenschen, die anderen helfen oder für das Gemeinwohl spenden, persönliches Glück. Ethisches Handeln im Zusammenleben führt zu persönlichem Glück und ethischer Ökonomie.
Praktizierte ethische Ökonomie scheint sich zumindest in der westlichen Welt als Ergebnis der Finanzkrise langsam durchzusetzen: So berichtete Julia Löhr (in FAZ 8./9. 8. 09), dass 900 Havard-Business School Absolventen im Juni 2009 einen vorher selbst mit den Professoren verfassten Eid schworen: "Als Manager ist es meine Aufgabe, der Gesellschaft zu dienen. Ich werde stets mit der größtmöglichen Integrität handeln und meiner Arbeit in ethischer Weise nachgehen."
Der Wortlaut des Havard-Eides ist im Internet unter http://mbaoath.org/take-the-oath zu finden. In die Liste der Unterzeichner können sich auch Abgänger anderer Business Schools auf der Welt eintragen.
Nicht der Markt ist schlecht, sondern Gier (EÖ 3.6)
Am 7. 7. 09, dem Tag vor dem Treffen der G8-Staaten, der wichtigsten Industrienationen in Italien, schaltete sich Papst Benedikt XVI mit seiner ersten Sozialenzyklika unüberhörbar in die Diskussion zur Finanz- und Wirtschaftskrise ein. "In dem Dokument mit dem Titel 'Caritas in veritate' (Liebe in Wahrheit) erteilte er einer ungezügelt auf Kapitalinteressen setzenden Globalisierung eine klare Absage. 'Die Kriese verpflichtet uns, uns neue Regeln zu geben' mahnt der Papst und fordert uns zu einem radikalen Umdenken auf." Und weiter begannen seine Überlegungen: Wirtschafts- und Finanzwesen sind für die Entwicklung des Menschen da und nicht umgekehrt. Ausgangspunkt aller sozialen und wirtschaftlichen Verantwortung sei 'die Liebe, die Gott den Menschen zum Geschnenk gemacht hat'. Ohne Liebe zum Menschen werde das soziale Handeln 'ein Spiel privater Interessen und Logiken der Macht, mit zersetzenden Folgen fürdie Gesellschaft'.
Wirtschaft und Finanzwesen seien nur 'Werkzeuge', um angemessene Bedingungen für die Entwicklung des Menschen und der Völker zu schaffen. Der Markt an sich sei nicht zerstörerisch, aber die Gier. der Markt könne schädlich wirken, 'weil eine gewisse Ideologie ihm diese Ausrichtung geben kann', 'Es sei zunehmend eine kosmopolitische Klasse von Managern aufgetreten, die sich oft nur nach den Anweisungen der Hauptaktionäre richten, anstatt nachhaltig den Bestand des Unternehmens zu sichern'." (Irene Jung/ 8. 7. 09 in HA) - Alexander Armbruster (FAZ 12. 7. 09) hielt den folgendenm Satz für wichtig: "Darum müssen die Regeln der Gerechtigkeit von Anfang an beachtet werden, während der wirtschaftliche Prozess in Gang ist, und nicht erst danach oder parallel dazu." Armbruster betonte am Schluss seiner Besprechung, dass der Papst ausdrücklich auch diejenigen anspricht, die nicht an Gott glauben.
Sven Böll sprach für Spiegel Online sprach (erschienen am 20. 10. 09) mit dem Sozialpsychologen Matthias Sutter über Gier, Zockerei und Sucht bekannter Manager, wie Madoff der Hedgefondsmilliardär Rajaratnam u. a. - Sutter dazu: "Das Problem einer Sucht ist der Anfang: Schauen Sie sich den Madoff an. Der hat irgendwann mit seiner Betrügerei losgelegt und gemerkt, dass er damit durchkommt. Und je länger es funktioniert hat, desto sicherer wird er sich gefühlt haben. Irgendwann kommt dann der Punkt, wo man Risiken falsch eingeschätzt oder sogar komplett ausgeblendet hat. Was man nie vergessen darf: Die ... Madoffs und Rajaratnams sind ja mit einer absoluten Leidenschaft bei der Sache - deshalb sind sie so erfolgreich, aber auch zu unvorsichtig."
Der nächste Abschnitt vergleicht und stellt Ethik und Machtgier gegeneinander.
Bankengier in "Zockerbuden"? (EÖ 3.7)
Unter www.nachhaltige-volkswirtschaft.de werden unter "Die nächste Krise" - Der Staat muss regeln, was erlaubt ist, die Anmerkungen und Sichtweise des Heiner Flassbek vorgestellt, die hier später noch weiter ergänzt werden.
Weil die Maßnahmen der Regierungen bis Mitte Januar 2010 keine völlige Sicherheit bewirkten, die Banken stattdessen nur die Billiggelder der Zentralbanken zum erneuten "Zocken", wie Heiner Flassbeck schreibt, benutzten und sich wieder hohe Gewinne und Boni ausschütteten, wollte Barack Obama die Finanzwirtschaft aufteilen: Der Teil, der Einlagen der Bürger verwaltet und Kredite an Firmen der Realwirtschaft vergibt, erhält die bevorzugte Liquidität der Zentralbanken. Die Investment- und Hedgefondshändler bekommen dagegen keine verbilligten Gelder der Zentralbanken und werden auch vom Steuerzahler nicht gestützt. Sie gehen eben in Insolvenz, falls sie sich verspekuliert haben. Das ist das positive der Marktwirtschaft. Die Idee dazu ging auf den ehemaligen US-Notenbankpräsidenten Paul Volcker zurück. Eines der ersten Themen auf dem 40. Weltwirtschaftsgipfel in Davos (siehe www.finanzkrisendaten.de am 27. 1. 2010).
Der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Heiner Flassbeck (Gastbeitrag in HA 27. 1. 10 - siehe auch www.heiner-flassbeck.de ) ist Direktor der Uno-Organisation für Welthandel und Entwicklung in Genf. Etliche Personen vertreten auch andere Meinungen als er, besonders deshalb vielleicht, weil er sich etwas drastisch ausdrückt und zusätzlich noch in der kurzen Finanzministerzeit von Lafontaine dort Staatssekrtär war. Allerdings sind seine Ansichten nicht links (von die Linke), sondern besonders sozial marktwirtschaftlich, wenn er z. B. schreibt: "Dieses Hochhebeln der Renditen mithilfe von Krediten war es, das aus dem Kasinospiel einiger weniger ein systemgefährdendes russisches Roulette gemacht hat. Wer Kasino spielen will, der soll das mit eigenem Geld weiter tun - aber das Risiko zu verlieren steigt enorm, wenn klar ist, dass es keinen Retter bei einer Pleite gibt." - Am 27. 1. 10 (siehe www.finanzkrisendaten.de ) war dies ein Hauptthema bei der Eröffnung des 40. Weltwirtschaftsforums in Davos durch den französichen Präsidenten Sarkozy. Deutsche Bank Chef Ackermann vertrat hierzu allerdings andere Ansichten.
Hinzuzufügen wäre, dass die vorgeschlagene Bankenaufteilung in Deutschland wohl besonders auch vor einer "Zockerei" der Landesbanken schützen würde.
Bezüglich der Geldgier der Finanzindustrie schreibt Flassbeck in seinem Gastbeitrag: "Vor allem ist die Angst vor der 'Finanzindustrie', die man allenthalben spürt, nicht vernüftig nachzuvollziehen . -dass nämlich der weitaus größte Teil des Investmentbanking oder der Hedge Fonds nichts 'produziert', was zu unserem Wohlstand beiträgt....Wenn die Politiker zudem begriffen, dass die 25 % Rendite erzeugenden Monster kurzfristig nur deswegen so hohe Gewinne machen, weil es ihnen gelingt, die Preise von Aktien, Rohstoffen und Währungen in absurde Höhen zu treiben, müssten sie Mut fassen können. Nimmt man die Tatsache hinzu, dass diese Spekulationswellen große Schäden in der Realwirtschaft anrichten, müssten auch die richtigen Investoren, nämlich diejenigen, die langfristig auf besseree Sachanlagen und bessere Infrastruktur setzen, sich mit den Politikern verbünden. Dann gäbe es Hoffnung...
Soweit der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Heiner Flassbeck zu einer "ethischen Ökonomie" im Banksektor.
Ethikbanken im Aufwind (EÖ 3.8)
T-online.de meldete am 4. 1. 2012 (11.22 von dpa-AFX): " Eisenberger Ethikbank weiter im Aufwind." Darunter dann ein Bild mit Frauen an Nähmaschinen, die Frauen trugen sämtlich Kopftücher - und darunter stand: "Die Bank fördert (auch) Ausbildungsprojekte: Hier eine Werkstatt in Afghanistan (Quelle: Ethikbank)" Und weiter hieß es dann:
"Wer bei seiner Geldanlage lieber auf moralische Grundsätze denn auf hohe Zinsen "um jeden Preis" achtet, kann sein Geld beispielsweise von der Eisenberger Ethikbank verwalten lassen. Diese legt ihre Einlagen streng nach ethischen Gesichtspunkten an. Atomkonzerne, Gentechnikfirmen und Waffenhersteller sind tabu. Das Geschäft mit dem guten Gewissen boomt.
Das Reaktorunglück von Fukushima im März und die anhaltende Kritik an den Finanzmärkten haben der Eisenberger Ethikbank 2011 Auftrieb gegeben. "Derzeit werden bei uns ungefähr 500 Konten pro Monat eröffnet", sagte Vorstand Sylke Schröder der Nachrichtenagentur dpa. Bis Ende Dezember sei die Zahl so auf rund 15.500 Giro- und Geschäftskonten geklettert. Die Einlagen der Kunden seien zudem um 18 Prozent auf insgesamt 126 Millionen Euro angewachsen. Das Potenzial ist Schröders Einschätzung zufolge noch nicht ausgeschöpft, auch wenn vermehrt ausländische Banken um das Ersparte der Deutschen werben...
Die Zahl der Kunden bei der Ethikbank in Thüringen wuchs zuletzt stärker als die Höhe der Einlagen. "Das liegt daran, dass wir in diesem Jahr in erster Linie neue Giro- und Geschäftskonten gewonnen haben, die sich im Volumen weniger niederschlagen als eine Geldanlage", sagte Schröder. Dabei könne auch eine Rolle spielen, dass andere Banken mit vergleichsweise verlockenden Zinssätzen werben. "Je niedriger die Zinsen fallen, desto größer ist die Versuchung, bei solch niedrigem Niveau das Beste an Zinsen zu bekommen."
Die Ethikbank legt das Geld ihrer Kunden nach strengen ethischen und ökologischen Kriterien an. Unternehmen, die Waffen herstellen, Atomkraftwerke betreiben, Saatgut gentechnisch verändern oder Tierversuche für Kosmetika machen, sind tabu, ebenso wie Anleihen von Ländern, die Menschenrechte verletzen. Zudem setzt die Bank auf Transparenz. Dazu veröffentlicht sie nicht nur ihre Wertpapieranlagen im Internet, sondern auch eine Liste der von ihr zu welchen Zwecken vergebenen Kredite.
Das Geschäft mit ökologischen und ethischen Geldanlagen wird Schröders Meinung nach in den kommenden Jahren weiter wachsen, insgesamt aber eine Nische bleiben. "Wir rechnen damit, dass etwa eine Million Bundesbürger mit ihrem Konto zu einer ethischen Bank wechseln." Für die Ethikbank selbst rechnet sie in den kommenden fünf Jahren mit einem Wachstum von jeweils etwa 25 Prozent." - Soweit der Hinweis auf ethische Geldanlagen.
(Ki)
Weiter zu: Ethik und Machtgier.